30. September 2026
In der aktuellen Ausgabe der ÖKOJAGD (2/2026) bin ich in der Rubrik „Erkenntnisse für die Praxis“ an einem äußerst lesenswerten Beitrag zur Wildunfallprävention hängen geblieben. Genauer gesagt an dem kurzen, aber bemerkenswert deutlichen Artikel über Wildwarnreflektoren.
Darin werden die Ergebnisse zweier umfangreicher Forschungsprojekte des FVA-Wildtierinstituts in Baden-Württemberg zusammengefasst. Das Ergebnis ist unmissverständlich: Wildwarnreflektoren bewirken bei Rehen, Füchsen und Wildschweinen keine Verhaltensänderung, die das Risiko eines Wildunfalls verringern würde.
Das machte mich hellhörig. Denn die bunten Reflektoren gehören seit Jahrzehnten zum vertrauten Bild an unseren Straßen. Sie werden von Jagdausübungsberechtigten, Kommunen und Straßenbaulastträgern montiert, öffentlich präsentiert und vielerorts noch immer als aktive Maßnahme gegen Wildunfälle beworben.
Also stellt sich unweigerlich die Frage: Wie häufig und wie gründlich ist ihre Wirkung eigentlich wissenschaftlich untersucht worden?
Ich begann im Internet nach Facharbeiten und Forschungsprojekten zu suchen. Dabei stieß ich auf zahlreiche Veröffentlichungen aus mehreren Jahrzehnten – allerdings längst nicht immer auf belastbare Forschung. Viele ältere Arbeiten beruhen auf kurzen Beobachtungszeiträumen oder einfachen Vorher-nachher-Vergleichen. Umso bemerkenswerter ist das Ergebnis der wenigen methodisch starken und voneinander unabhängigen Untersuchungen: Ob Unfallstatistik, kontrollierter Straßenvergleich, Wärmebildbeobachtung, besenderte Rehe, Gehegeversuch oder lichttechnische Messung – eine verlässliche und dauerhafte Wirkung der Reflektoren konnte nicht nachgewiesen werden.
Damit stellt sich eine zweite, weit unbequemere Frage: Warum hält sich der Glaube an ihre Wirksamkeit trotzdem so hartnäckig?

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Wildwarnreflektoren reicht bis in die sechziger Jahre zurück. Besonders aufschlussreich ist dabei eine systematische Neuauswertung aus dem Jahr 2016. Dafür wurden 53 Untersuchungen aus weit über 40 Jahren mit insgesamt 185 Straßenabschnitten ausgewertet.
Das Ergebnis: Eine signifikante Verringerung der Wildunfälle durch Reflektoren ließ sich nicht feststellen.
Auffällig war vielmehr, dass positive Ergebnisse besonders häufig in Untersuchungen mit kurzen Versuchsstrecken, kurzen Beobachtungszeiträumen oder ohne geeignete Kontrollabschnitte auftraten. Je belastbarer die Untersuchungsmethode war, desto weniger blieb von der vermeintlichen Wirkung übrig.
Eine weitere groß angelegte Untersuchung betrachtete 151 Straßenabschnitte in Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Die Strecken wurden in einem sogenannten Cross-over-Verfahren abwechselnd mit und ohne Reflektoren untersucht. Dadurch konnten dieselben Straßenabschnitte unter beiden Bedingungen miteinander verglichen werden.
Das statistisch ermittelte Verhältnis der Unfallhäufigkeit lag bei 1,02. Vereinfacht gesagt: Mit Reflektoren ereigneten sich praktisch genauso viele Wildunfälle wie ohne sie.
Die Forschenden der FVA verließen sich nicht allein auf Unfallstatistiken. Sie untersuchten unmittelbar, wie Rehe auf herannahende Fahrzeuge und auf die angebrachten Reflektoren reagieren. Dafür wurden rund 16.000 Stunden Wärmebildmaterial und mehr als 1.000 Begegnungen zwischen Rehen und Fahrzeugen ausgewertet. Untersucht wurden das Sicherungs- und Bewegungsverhalten sowie die Fluchtreaktionen der Tiere. Eine verkehrssicherheitsrelevante Veränderung ließ sich nicht feststellen. Kontrollierte Versuche mit Gehegerehen bestätigten dieses Ergebnis. Weder eine blaue Beleuchtung noch bestimmte Reflektormodelle riefen Reaktionen hervor, aus denen sich eine zuverlässige Warn- oder Abschreckungswirkung ableiten ließe. Auch die Bewegungsdaten von 46 besenderten Rehen sprechen eine klare Sprache. Bei insgesamt 13.689 ausgewerteten Straßenquerungen beeinflussten die Reflektoren weder die Häufigkeit noch den Ort oder den Zeitpunkt der Querungen. Entscheidend waren vielmehr die natürliche Aktivität der Tiere, die Tages- und Jahreszeit sowie die Lage der Straße innerhalb ihres jeweiligen Streifgebietes.
Auch die häufig wiederholte Behauptung, Blau sei für Rehe eine besondere Warnfarbe, hielt der experimentellen Überprüfung nicht stand.
Hinzu kommt ein grundlegendes technisches Problem. Wildwarnreflektoren sollen das Licht der Fahrzeugscheinwerfer seitlich in den Straßenraum oder an den Fahrbahnrand lenken. In der Werbung entsteht daraus häufig ein geschlossener optischer „Lichtzaun“, der Wildtiere von der Straße fernhalten soll. Lichttechnische Untersuchungen handelsüblicher Modelle zeigen jedoch, dass die tatsächlich in den Seitenraum abgegebene Lichtmenge äußerst gering ist. Sie hebt sich teilweise kaum von der ohnehin vorhandenen Aufhellung durch die Fahrzeugscheinwerfer ab. Der versprochene Lichtzaun ist daher weniger eine physikalische Realität als ein einprägsames Werbebild.
Unter realen Bedingungen entsteht offenbar kein ausreichend starker und verlässlicher Reiz, der Wildtiere dauerhaft von einer Straßenquerung abhält. Und selbst wenn ein Tier kurzfristig reagiert, ist damit noch lange nicht gesagt, dass es die Straße nicht trotzdem quert oder dass dadurch eine Kollision vermieden wird.

Dem stehen zahlreiche Berichte aus der Praxis gegenüber. Immer wieder schildern Jagdausübungsberechtigte, dass die Zahl der Wildunfälle nach dem Anbringen von Reflektoren deutlich zurückgegangen sei. Solche Beobachtungen müssen keineswegs erfunden oder unehrlich sein. Sie beweisen aber nicht, dass die Reflektoren den Rückgang verursacht haben.
Wildunfallzahlen schwanken erheblich. Wildbestand, Witterung, Verkehrsaufkommen, landwirtschaftliche Nutzung, Vegetation am Straßenrand, Jagdintensität und jahreszeitliche Aktivität verändern sich laufend. Auch Baustellen, Umleitungen oder eine andere Straßenrandpflege können das Unfallgeschehen beeinflussen. Werden Reflektoren montiert und sinkt anschließend die Zahl der Unfälle, liegt es nahe, beides miteinander zu verbinden. Wissenschaftlich belastbar ist dieser Schluss jedoch erst dann, wenn vergleichbare Kontrollstrecken und ausreichend lange Untersuchungszeiträume einbezogen werden.
Ohne diese Kontrolle wird ein zeitliches Zusammentreffen schnell mit einer tatsächlichen Wirkung verwechselt. Genau hier liegt vermutlich ein wesentlicher Grund dafür, dass sich der Mythos so hartnäckig hält: Der vermeintliche Erfolg ist sichtbar und leicht erzählbar. Die vielen anderen Einflussfaktoren bleiben dagegen unsichtbar.
Wildwarnreflektoren lassen sich vergleichsweise günstig beschaffen, schnell anbringen und anschließend gut vorzeigen. Am Ende einer Aktion steht eine sichtbar ausgestattete Strecke. Es wurde etwas getan – und jeder kann es sehen. Das macht die Reflektoren psychologisch und öffentlichkeitswirksam attraktiv. Nur sagt die Sichtbarkeit einer Maßnahme nichts über ihre Wirksamkeit aus.
Im Gegenteil: Werden Reflektoren weiterhin als bewährte Wildunfallprävention dargestellt, entsteht der Eindruck, das Problem sei zumindest teilweise gelöst. Eine wissenschaftlich nicht belegte Maßnahme kann dadurch zum Ersatz für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Ursachen werden. Aus gut gemeintem Engagement wird symbolische Prävention.
Aus Tierschutzsicht ist das besonders problematisch. Wildunfälle enden für die betroffenen Tiere keineswegs immer sofort tödlich. Viele flüchten schwer verletzt, müssen aufwendig nachgesucht und erlöst werden oder verenden unbemerkt. Auch Menschen werden gefährdet. Hinzu kommen erhebliche Sachschäden und Einsätze von Polizei, Feuerwehr, Straßenmeistereien und Jagdausübungsberechtigten.
Wer Zeit, Geld und ehrenamtliche Arbeit in eine Maßnahme investiert, für die trotz jahrzehntelanger Anwendung keine verlässliche Wirkung nachgewiesen werden konnte, sollte sich deshalb eine ehrliche Frage stellen: Tun wir hier tatsächlich etwas gegen Wildunfälle – oder tun wir vor allem etwas gegen das Gefühl, nichts getan zu haben?
Wildunfälle haben nicht nur eine Ursache. Straßenführung, Landschaftsstruktur, Verkehrsstärke, Geschwindigkeit, Sichtverhältnisse und das jahreszeitliche Verhalten der Tiere spielen eine wichtige Rolle. Aber auch die Zahl der Tiere kann nicht ausgeblendet werden. Wo viele Tiere leben, sich bewegen und regelmäßig Straßen queren, entstehen zwangsläufig mehr mögliche Begegnungen mit Fahrzeugen. Das bedeutet nicht, dass jeder Wildunfallschwerpunkt allein durch eine höhere Jagdstrecke beseitigt werden könnte. Es bedeutet aber, dass an Lebensraum und Vegetation angepasste Wildbestände zu einem ernsthaften Wildunfallmanagement gehören.
Unfallschwerpunkte und Wildwechsel müssen systematisch erfasst werden. Anschließend ist zu prüfen, welche Maßnahmen vor Ort tatsächlich geeignet sind – und welche Rolle eine räumlich und zeitlich gezielte Bejagung dabei übernehmen kann. Auch neuere Untersuchungen aus Nordamerika zeigen, dass eine gezielte Bejagung an besonders unfallträchtigen Straßenabschnitten die Zahl der Kollisionen verringern kann. Die Ergebnisse lassen sich aufgrund anderer Wildarten, Landschaften und jagdrechtlicher Bedingungen nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen. Sie zeigen aber, dass Wildunfallprävention auch beim Verhältnis zwischen Wildbestand, Lebensraum und Verkehrswegen ansetzen muss.

Ein tierschutzgerechter Schuss unter kontrollierten Bedingungen ist nicht mit einem Zusammenstoß auf der Straße vergleichbar. Bei der Jagd kann ein Tier sicher angesprochen, gezielt erlegt, fachgerecht versorgt und als hochwertiges Lebensmittel genutzt werden. Nach einem Wildunfall ist das häufig nicht mehr möglich. Der Wildkörper ist möglicherweise schwer beschädigt oder verunreinigt, das verletzte Tier wird womöglich erst nach langer Nachsuche gefunden. Aus wertvollem Wildbret wird ein zu entsorgender Tierkörper.
Wer angepasste Wildbestände fordert, argumentiert deshalb nicht gegen das Wild. Eine planvolle Bejagung kann unkontrolliertes Tierleid vermeiden und zugleich die verantwortungsvolle Nutzung eines hochwertigen regionalen Lebensmittels ermöglichen.
Die Konsequenz aus der fehlenden Wirkung der Reflektoren darf nicht lauten, Wildunfälle seien unvermeidbar. Es gibt durchaus Möglichkeiten, das Risiko zu reduzieren. Sie sind allerdings anspruchsvoller als das Anschrauben eines Kunststoffteils.
Dazu gehören:
Nicht jede Maßnahme passt an jede Straße. Gerade deshalb braucht es belastbare Daten, fachliche Bewertungen und örtlich abgestimmte Konzepte.
Die Fachbeiträge in der ÖKOJAGD tragen ihren Platz in der Rubrik „Erkenntnisse für die Praxis“ zu Recht. Denn genau darum muss es gehen: Wissenschaftliche Erkenntnisse dürfen nicht im Heft, im Abschlussbericht oder in einer Fachpublikation stehen bleiben. Sie müssen Konsequenzen für die Praxis haben.
Bei den Wildwarnreflektoren ist die Forschungslage inzwischen zu deutlich, um einfach weiterzumachen wie bisher. Die Beweislast darf auch nicht länger umgekehrt werden. Nicht die Kritiker müssen für jedes einzelne Modell erneut nachweisen, dass es nicht wirkt. Wer Reflektoren weiterhin als wirksame Präventionsmaßnahme empfiehlt, verkauft oder mit öffentlichen Mitteln montiert, muss ihre Wirkung belastbar belegen.
Persönliche Überzeugungen, einzelne Vorher-nachher-Beobachtungen und jahrzehntelange Gewohnheiten reichen dafür nicht aus.
Wildwarnreflektoren sind gut gemeint. Aber gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht oder gar wirksam.
Vielleicht hält sich der Mythos gerade deshalb so hartnäckig, weil die Reflektoren eine einfache Lösung für ein kompliziertes Problem versprechen. Doch verantwortlicher Tierschutz beginnt dort, wo wir bereit sind, lieb gewonnene Gewohnheiten an überprüfbaren Erkenntnissen zu messen – und unwirksame Symbolmaßnahmen schließlich auch zu beenden.
ÖKOJAGD (2/2026):
Erkenntnisse für die Praxis: Forschung zu Wildunfällen
Die gesamte Berichterstattung aus der Serie „Erkenntnisse für die Praxis“ Seite 21 bis 27.
Hier besonders der Bericht „Wildunfallprävention“, Seite 24 zum Thema Wildwarnreflektoren.
Brieger, F.; Hagen, R.; Vetter, D.; Dormann, C. F.; Storch, I. (2016):
Effectiveness of light-reflecting devices: A systematic reanalysis of animal-vehicle collision data. In: Accident Analysis & Prevention, Band 97, S. 242–260.
https://doi.org/10.1016/j.aap.2016.08.030
Die systematische Neuauswertung umfasst 53 Untersuchungen und 185 Straßenabschnitte aus weit über 40 Jahren. Eine signifikante Verringerung der Wildunfälle durch Reflektoren ließ sich nicht nachweisen. Auffällig positive Ergebnisse fanden sich vor allem in methodisch schwächeren oder zeitlich und räumlich begrenzten Untersuchungen.
Benten, A.; Annighöfer, P.; Vor, T. (2018):
Wildlife Warning Reflectors’ Potential to Mitigate Wildlife-Vehicle Collisions – A Review on the Evaluation Methods. In: Frontiers in Ecology and Evolution, Band 6, Artikel 37.
https://doi.org/10.3389/fevo.2018.00037
Die Übersichtsarbeit untersucht insbesondere die Qualität der verwendeten Forschungsmethoden. Sie zeigt, warum einfache Vorher-nachher-Vergleiche ohne geeignete Kontrollstrecken leicht zu irreführenden Ergebnissen führen können.
Benten, A.; Hothorn, T.; Vor, T.; Ammer, C. (2018):
Wildlife warning reflectors do not mitigate wildlife–vehicle collisions on roads. In: Accident Analysis & Prevention, Band 120, S. 64–73.
https://doi.org/10.1016/j.aap.2018.08.003
Untersucht wurden 151 jeweils etwa zwei Kilometer lange Straßenabschnitte in Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Das randomisierte Cross-over-Design ermöglichte den Vergleich derselben Strecken mit und ohne Reflektoren. Das Verhältnis der Unfallhäufigkeit lag bei 1,02 – eine Verringerung der Wildunfälle war nicht nachweisbar.
Brieger, F.; Hagen, R.; Kröschel, M.; Hartig, F.; Petersen, I.; Ortmann, S.; Suchant, R. (2017):
Do roe deer react to wildlife warning reflectors? A test combining a controlled experiment with field observations. In: European Journal of Wildlife Research, Band 63, Artikel 72.
https://doi.org/10.1007/s10344-017-1130-5
Die Untersuchung verbindet Freilandbeobachtungen mit kontrollierten Versuchen an Gehegerehen. Ausgewertet wurden rund 16.000 Stunden Wärmebildmaterial und mehr als 1.000 Begegnungen zwischen Rehen und Fahrzeugen. Eine verkehrssicherheitsrelevante Veränderung des Sicherungs-, Bewegungs- oder Fluchtverhaltens durch Reflektoren wurde nicht festgestellt.
Kämmerle, J.-L.; Brieger, F.; Kröschel, M.; Hagen, R.; Storch, I.; Suchant, R. (2017):
Temporal patterns in road crossing behaviour in roe deer (Capreolus capreolus) at sites with wildlife warning reflectors.In: PLOS ONE, Band 12, Ausgabe 9, e0184761.
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0184761
Grundlage waren die Bewegungsdaten von 46 besenderten Rehen und insgesamt 13.689 erfasste Straßenquerungen. Wildwarnreflektoren beeinflussten weder Häufigkeit noch Ort oder Zeitpunkt der Querungen. Entscheidender waren die natürliche Aktivität der Tiere, die Tages- und Jahreszeit sowie die Lage der Straße innerhalb des jeweiligen Streifgebietes.
Benten, A.; Balkenhol, N.; Vor, T.; Ammer, C. (2019):
Wildlife warning reflectors do not alter the behavior of ungulates to reduce the risk of wildlife-vehicle collisions. In: European Journal of Wildlife Research, Band 65, Artikel 76.
https://doi.org/10.1007/s10344-019-1312-4
An 13 Straßenabschnitten wurde das Verhalten von Schalenwild vor und nach der Montage moderner mehrfarbiger Reflektoren beobachtet. Eine festgestellte kurzfristige Reaktion hielt nur etwa 16,5 Tage an und verringerte das Kollisionsrisiko nicht. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Wildwarnreflektoren Wildunfälle nicht wirksam verhindern.
Brieger, F.; Kämmerle, J.-L.; Hagen, R.; Suchant, R. (2022):
Behavioural reactions to oncoming vehicles as a crucial aspect of wildlife-vehicle collision risk in three common wildlife species. In: Accident Analysis & Prevention, Band 168, Artikel 106564.
https://doi.org/10.1016/j.aap.2021.106564
Die Studie wertete rund 28.400 Stunden Videomaterial zum Verhalten von Rehen, Wildschweinen und Füchsen gegenüber herannahenden Fahrzeugen aus. Wildwarnreflektoren veränderten die Reaktionen der Tiere nicht so, dass daraus ein geringeres Kollisionsrisiko entstand.
Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg – FVA (2019):
Effektivität von Wildunfallpräventionsmaßnahmen. Untersuchung der Wirksamkeit von Wildwarnreflektoren.Abschlussbericht.
FVA-Abschlussbericht als PDF
Der ausführliche Abschlussbericht dokumentiert unter anderem die Untersuchungen mit Wärmebildkameras, besenderten Rehen und kontrollierten Verhaltensexperimenten. Er bildet eine wesentliche Grundlage für die Aussagen im redaktionellen Beitrag.
Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V.; Unfallforschung der Versicherer – UDV (2018):
Wirksamkeit blauer Wildwarnreflektoren. Unfallforschung kompakt, Nr. 85.
UDV-Bericht als PDF
Die UDV fasst die Untersuchung an 151 Straßenabschnitten zusammen. Das geschätzte Verhältnis der Unfallhäufigkeit mit gegenüber ohne Reflektoren betrug 1,02 bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,92 bis 1,12. Weder insgesamt noch für einzelne Modelle konnte eine signifikante Schutzwirkung festgestellt werden.
Schulze, C.; Polster, J. U. (2017):
Wirkungsweise von Wildwarnern. Forschung Straßenbau und Straßenverkehrstechnik, Heft 1127. Bremen: Fachverlag NW. Untersuchung im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen.
In der lichttechnischen Untersuchung wurden neun handelsübliche Wildwarnreflektoren geprüft. Bei allen Modellen war die in den Straßenseitenraum abgegebene Lichtmenge so gering, dass sie die normale Aufhellung durch die Fahrzeugscheinwerfer kaum überstieg. Keines der untersuchten Produkte erzeugte einen ausreichend wahrnehmbaren optischen Warnreiz.
FVA-Wildtierinstitut:
Wildunfallprävention – Forschungsprojekte, Ergebnisse und Handlungsempfehlungen.
Fachübersicht der FVA
Die Übersichtsseite bündelt die Ergebnisse der FVA-Forschung sowie Informationen zu wirksamen und unwirksamen Maßnahmen der Wildunfallprävention.
Delisle, Z. J.; Reeling, C. J.; Caudell, J. N.; McCallen, E. B.; Swihart, R. K. (2024):
Targeted recreational hunting can reduce animal-vehicle collisions and generate substantial revenue for wildlife management agencies. In: Science of the Total Environment, Band 935, Artikel 173460.
https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2024.173460
Die Studie analysierte über 300.000 Kollisionen mit Weißwedelhirschen entlang von 618 Kilometern besonders unfallträchtiger Straßen im US-Bundesstaat Indiana. Eine gezielte Ausweitung der Bejagung an den Risikostrecken ging mit einer Verringerung der Kollisionen um rund 21 Prozent einher. Wegen der Unterschiede bei Wildart, Landschaft und Jagdrecht lassen sich die Ergebnisse nicht unmittelbar auf Deutschland übertragen. Sie belegen aber, dass eine räumlich gezielte Bestandsregulierung Bestandteil wirksamer Wildunfallprävention sein kann. Datensatz der National Academies/TRID
Riginos, C.; Graham, M. W.; Davis, M. J.; Johnson, A. B.; May, A. B.; Ryer, K. J.; Hall, L. E. (2018):
Wildlife warning reflectors and white canvas reduce deer–vehicle collisions and risky road-crossing behavior. In: Wildlife Society Bulletin, Band 42, S. 119–130.
https://doi.org/10.1002/wsb.862
Diese Untersuchung berichtete positive Effekte bestimmter Reflektoren und weißer Markierungen. Sie sollte als Gegenbefund nicht verschwiegen werden. In der Gesamtschau stehen ihr jedoch mehrere methodisch starke Untersuchungen, randomisierte Streckenvergleiche und die systematische Neuauswertung von Brieger et al. gegenüber.
Text: Christian Hommel (Quellensammlung unter Zuhilfenahme von KI generierter Suche)
Bilder: optimiert unter Zuhilfenahme von KI
