13. Juli 2026
Mit großem Interesse und zahlreichen Teilnehmenden fand die Exkursion des Ökologischen Jagdvereins Nordrhein-Westfalen (ÖJV.NRW) durch das Naturschutzgebiet Baulofsbruch in Ratingen statt. Unter dem Titel „Jagen im urbanen Raum – Herausforderungen und Chancen“ führte Regionalsprecher Christian Hommel und Revierförster Joachim Göckede von den Spee'schen Forstbetrieben am 11. Juli 2026 die Gruppe durch eines der ökologisch wertvollsten Wald- und Feuchtgebiete im Ballungsraum Rhein-Ruhr.
Bereits zu Beginn wurde deutlich, dass das Baulofsbruch weit mehr ist als ein gewöhnlicher Wald. Quellen, Bäche, Bruch- und Feuchtwälder sowie seltene Tier- und Pflanzenarten machen das rund 74 Hektar große Naturschutzgebiet zu einer ökologischen Insel mitten zwischen Wohngebieten, Straßen und Bahntrassen. Die Exkursion zeigte eindrucksvoll, wie eng Wasser, Wald und Artenvielfalt miteinander verbunden sind und warum der Schutz dieser Lebensräume heute wichtiger denn je ist.
Besonders beeindruckt zeigten sich die Teilnehmenden von der Vielfalt der hier vorkommenden Arten. Feuersalamander, seltene Quelljungfern, Mittelspecht oder Waldschnepfe stehen stellvertretend für einen Lebensraum, der nur funktioniert, wenn seine natürlichen Strukturen erhalten bleiben. Immer wieder entwickelten sich lebhafte Diskussionen über die ökologischen Zusammenhänge.
„Mir war überhaupt nicht bewusst, wie außergewöhnlich dieses Gebiet ist. Dass mitten im Ruhrgebiet noch solche Lebensräume existieren, hätte ich nie erwartet.“
Auch das Thema Wasser spielte eine zentrale Rolle. Viele Besucherinnen und Besucher waren überrascht, dass nicht der Wald selbst, sondern die zahlreichen Quellbereiche und Bachläufe den eigentlichen Schatz des Baulofsbruchs bilden und die Grundlage für die außergewöhnliche Artenvielfalt schaffen.
Doch auch an einem ökologisch so wertvollen Ort wie dem Baulofsbruch sind die Folgen des Klimawandels längst unübersehbar. Quellbereiche und Bachläufe, die früher teilweise ganzjährig Wasser führten, fallen inzwischen regelmäßig trocken. Gleichzeitig macht das Eschentriebsterben auch vor dem Naturschutzgebiet nicht halt. Und selbst mächtige, alte Buchen zeigen heute die Folgen der extremen Trockenjahre. Bei anhaltendem Wassermangel kann die Wasserversorgung im Baum zusammenbrechen: Der für den Wassertransport notwendige Sog in den Leitungsbahnen reißt ab, es entstehen Lufteinschlüsse – sogenannte Embolien – und Teile des Leitungssystems verlieren ihre Funktion. Manche der geschädigten Bäume sterben erst Jahre später sichtbar ab.
Gerade hier wird deutlich, dass selbst geschützte Lebensräume nicht vor den Folgen des Klimawandels geschützt sind. Umso wichtiger ist es, ihre natürliche Widerstandskraft und Vielfalt zu erhalten.
Ein weiterer Schwerpunkt war der Umgang mit invasiven Arten wie Waschbär oder Riesenbärenklau. An diesem Beispiel wurde deutlich, dass Naturschutz nicht immer bedeutet, die Natur sich selbst zu überlassen. Vielmehr erfordert er in vielen Fällen aktives Handeln und verantwortungsvolle Eingriffe, um empfindliche Lebensräume dauerhaft zu erhalten.
Von dort spannte die Führung den Bogen zur modernen Jagd. Anschaulich erläuterte Christian Hommel, warum auch heimische Wildarten Einfluss auf die Entwicklung unserer Wälder nehmen und weshalb sich zeitgemäßes Wildmanagement heute nicht an Abschusszahlen, sondern am Zustand des Lebensraums orientiert.
„Nicht die Abschussliste zeigt die Wahrheit – der Wald zeigt es.“
Gerade die Erläuterungen zum Rehwild stießen auf großes Interesse. Dass ein einzelnes Reh täglich rund zwei Kilogramm Pflanzenmaterial aufnimmt und dadurch entscheidend beeinflusst, welche Baumarten nachwachsen können, sorgte bei vielen Teilnehmenden für einen neuen Blick auf die Zusammenhänge zwischen Wildbestand und Waldentwicklung.
Ebenso aufmerksam verfolgten die Gäste die Ausführungen zur Jagd in einem stark frequentierten Naherholungsgebiet. Wandernde, Reiter, Hundehalter, Radfahrer, Pferdeweiden und Wohnbebauung stellen hohe Anforderungen an Sicherheit und Verantwortungsbewusstsein. Dabei wurde deutlich, dass die größte Herausforderung häufig nicht das Finden des Wildes, sondern das sichere und verantwortungsvolle Jagen in einem hochsensiblen Umfeld ist.
Viele Fragen aus der Gruppe drehten sich um genau diese praktischen Herausforderungen.
„Wie gelingt es, in einem Gebiet mit so vielen Erholungssuchenden überhaupt sicher zu jagen?“
Anhand persönlicher Erfahrungen schilderten die Jäger, wie viel Geduld, Disziplin und Zurückhaltung zur Jagd gehören. Oft vergehen viele Stunden ohne jede Wildbeobachtung. Rehe erscheinen häufig erst in den letzten Minuten der Dämmerung, Wildschweine meist tief in der Nacht. Nicht jeder Ansitz führt zum Erfolg – und oft ist gerade das Nicht-Schießen Ausdruck verantwortungsvoller Jagdausübung. Das gilt besonders in einem Gebiet wie dem Baulofsbruch, das sowohl topografisch als auch durch den hohen Besucherdruck besonders anspruchsvoll zu bejagen ist. Sicherheit und Verantwortungsbewusstsein stehen hier immer an erster Stelle.
Zum Abschluss der Exkursion zog der ÖJV.NRW ein ausgesprochen positives Fazit. Die große Resonanz, die intensive Beteiligung der Gäste und die zahlreichen fachlichen Fragen hätten gezeigt, wie groß das Interesse an einem modernen Verständnis von Naturschutz und Jagd inzwischen ist.
„Unser Ziel war es, Zusammenhänge sichtbar zu machen. Wer den Lebensraum versteht, versteht auch, warum verantwortungsvolles Wildmanagement heute ein wichtiger Bestandteil des Naturschutzes ist. Die vielen Fragen und die durchweg positiven Rückmeldungen zeigen, dass genau dieser Dialog gebraucht wird.“
Mit der Exkursion machte der ÖJV.NRW deutlich, dass moderne Jagd weit mehr ist als das Erlegen von Wild. Sie ist Teil eines umfassenden Lebensraummanagements, das den Erhalt artenreicher Wälder, seltener Arten und funktionierender Ökosysteme zum Ziel hat. Das Baulofsbruch erwies sich dabei als ideales Beispiel dafür, wie Naturschutz und Jagd gemeinsam Verantwortung für unsere Kulturlandschaft übernehmen können.
Text: Christian Hommel
Fotos: von den Teilnehmenden
Interessante Gespräche und viel Wissenswertes begleiteten die Teilnehmenden auf dem Weg durch das Naturschutzgebiet.
Trockengefallene Bachläufe und Quellbereiche sind in den heißen und niederschlagsarmen Monaten mittlerweile immer häufiger zu beobachten.
Die unterschiedlichen Waldstrukturen und Lebensräume sind auf dem vergleichsweise kleinen Areal besonders deutlich zu erkennen.
Auch landwirtschaftlich genutzte Flächen mit Ackerbau und Pferdehaltung gehören zu dem vielfältigen und spannungsreichen Mosaik des Gebietes.
