8. Juni 2026
Wie sich Wald entwickeln kann, wenn Naturverjüngung zugelassen und Wildbestände an den Lebensraum angepasst werden, konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Exkursion am 4.6.2026 im ÖJV-Revier Rommersberg eindrucksvoll erleben.
Unter der fachkundigen Leitung von Frank Christian Heute, Vorsitzender des ÖJV.NRW, führte die Exkursion durch die ehemaligen Kalamitätsflächen des Eigenjagdbezirks Rommersberg der Gräflich von Spee’schen Forstbetriebe Heltorf. Dabei wurde deutlich, welche Veränderungen innerhalb weniger Jahre möglich sind, wenn ökologische Jagd und natürliche Waldentwicklung zusammenspielen.
Besonders eindrucksvoll waren die Schilderungen der Ausgangssituation. Nach den Trockenjahren und der Borkenkäferkalamität lagen große Teile des ehemals fichtengeprägten Waldes offen. Die Flächen waren stark vom Wildverbiss geprägt. Bei der ersten Bestandsaufnahme im Jahr 2021 wurde an den vorhandenen Baumarten ein Leittriebverbiss von rund 75 Prozent festgestellt. Viele Baumarten hatten kaum eine Chance, über die Verbisshöhe hinauszuwachsen.
Mit der Übernahme der Bejagung durch den ÖJV.NRW im Jahr 2021 wurde das Ziel verfolgt, die Wildbestände so anzupassen, dass sich die natürliche Waldentwicklung wieder entfalten kann. Statt auf Pflanzungen, Zäune oder aufwendige Schutzmaßnahmen zu setzen, sollte die Natur selbst zeigen, welches Potenzial in ihr steckt.
Dass dieses Konzept aufgegangen ist, konnten die Teilnehmenden nun direkt vor Ort erleben. Wo vor wenigen Jahren noch offene Kalamitätsflächen dominierten, steht heute ein dichter, strukturreicher Jungwald mit einer beeindruckenden Vielfalt an Baumarten. Eichen, Buchen, Birken, Salweiden, Aspen, Weißtannen, Eschen, Kirschen, Hainbuchen und Ebereschen wachsen auf den Flächen nebeneinander und bilden die Grundlage eines vielfältigen und klimastabilen Waldes der Zukunft.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Entwicklung des Verbisses. Bereits 2023 lag der Leittriebverbiss auf den untersuchten Flächen bei nur noch rund drei Prozent. Die Naturverjüngung konnte sich dadurch ungehindert entwickeln und die volle Dynamik natürlicher Waldentwicklung entfalten.
Während der Exkursion erläuterte Frank Christian Heute anschaulich die Zusammenhänge zwischen Waldentwicklung, Wildbeständen und Jagdstrategie. An verschiedenen Stationen wurde deutlich, dass erfolgreiche Waldentwicklung nicht zwangsläufig teure technische Lösungen benötigt, sondern vor allem ein funktionierendes Gleichgewicht zwischen Wald und Wild.
Die Exkursion machte eindrucksvoll sichtbar, dass die Diskussion um Waldumbau und Klimaanpassung nicht nur theoretisch geführt werden muss. Im Rommersberg können die Ergebnisse direkt im Wald betrachtet werden. Das Revier gilt heute als anschauliches Beispiel dafür, wie aus einer Kalamitätsfläche innerhalb weniger Jahre ein artenreicher und zukunftsfähiger Wald entstehen kann.
Beim anschließenden Austausch am Grill mit Wildwürstchen wurde noch lange über die gewonnenen Eindrücke diskutiert. Einig waren sich viele Teilnehmende vor allem in einem Punkt: Der Wald von morgen entsteht dort, wo Naturverjüngung ermöglicht wird und Jagd ihre ökologische Verantwortung wahrnimmt.
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Text: Christian Hommel
Bilder: Ulrike Bucks, Mirjam Ballon, Christian Hommel
