Drohnentechnik: Mehr wissen, gezielter jagen

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Drohnen als Werkzeug einer modernen, effizienten und tierschutzgerechten Jagd?

Manchmal stößt man eher zufällig auf ein Thema, bei dem man hängenbleibt. Mir ging es vor einiger Zeit auf YouTube so. Dort wurde mir ein Video von CopterPro vorgeschlagen: eine groß angelegte Drückjagd im Hunsrück, rund 70 Schützinnen und Schützen, zahlreiche Hundeführer und etwa 60 bis 70 Hunde. Eigentlich zunächst einmal eines von vielen Jagdvideos, die man auf YouTube findet. Interessant wurde es für mich an einer anderen Stelle: Die Jagd wurde mit einer Wärmebilddrohne unterstützt. Und da blieb ich hängen.

Nicht wegen der Technik an sich, sondern wegen der Frage, die sich daraus ergibt: Kann der Einsatz einer Drohne dazu beitragen, eine Bewegungsjagd nicht nur effektiver, sondern gleichzeitig tierschutzgerechter und mit weniger unnötiger Beunruhigung des Wildes durchzuführen?

Denn genau darum sollte es bei moderner Jagd gehen. Nicht darum, immer mehr Technik einzusetzen oder immer größeren Aufwand zu betreiben. Sondern darum, notwendige jagdliche Eingriffe möglichst tierschutzgerecht, gezielt und effizient durchzuführen.

Der ÖJV steht neuen technischen Möglichkeiten grundsätzlich offen gegenüber, wenn sie dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen. Wärmebildtechnik, Wildkameras, digitale Revierplanung und andere technische Entwicklungen sind keine Gegensätze zu verantwortungsvoller Jagd. Richtig eingesetzt können sie dazu beitragen, bessere Entscheidungen zu treffen.

Und möglicherweise gehört künftig auch die Drohne ganz selbstverständlich zu diesen Werkzeugen.
 

Von der Kitzrettung zum Wildmanagement

Ganz neu ist der Einsatz von Drohnen im jagdlichen Umfeld natürlich nicht. Besonders bei der Rehkitzrettung vor der Mahd hat sich die Kombination aus Drohne und Wärmebildkamera in den vergangenen Jahren etabliert. Tiere können aus der Luft lokalisiert und anschließend vor dem Mähtod bewahrt werden.

Das Unternehmen CopterPro, von dem auch das Drückjagdvideo stammt, beschäftigt sich intensiv mit professioneller Drohnentechnik und deren unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten. Im jagdlichen Bereich reicht das Angebot mittlerweile deutlich über die Kitzrettung hinaus: Wildzählung, Wildmonitoring, Wildschadensvermessung und die Suche nach Hunden gehören beispielsweise zu den angebotenen Dienstleistungen.

Auch die technische Entwicklung geht weiter. Wärmebildkameras werden mit Normal- und Zoomkameras kombiniert, moderne Systeme erlauben eine genaue Positionsbestimmung. Inzwischen bietet CopterPro sogar eine KI-basierte Tiererkennung an, die Wildtiere im Livebild automatisch erkennen und markieren soll. Als Anwendungsbereiche nennt das Unternehmen unter anderem Kitzrettung, Wildzählungen, Monitoring, Nachsuche und Drückjagdvorbereitung.

Für eine ökologisch ausgerichtete Jagd ist deshalb weniger ein bestimmtes Drohnenmodell interessant als die Entwicklung dahinter: Welche zusätzlichen Informationen können wir gewinnen – und können diese Informationen helfen, jagdliche Eingriffe besser zu planen? Das Drückjagdvideo liefert dazu ein interessantes Praxisbeispiel.
 

Erst schauen – dann jagen

Auf YouTube kann man sich das gesamte Video ansehen. Der Link dazu findet sich am Ende des Berichtes.

Die Ausgangslage der im Video begleiteten Jagd ist anspruchsvoll. Große zusammenhängende Schwarzdorn- und Brombeerdickungen bieten dem Schwarzwild hervorragende Deckung. Für Hunde und Hundeführer sind solche Bereiche dagegen ausgesprochen schwierig zu bejagen. Teilweise geht es um mehrere hundert Meter nahezu geschlossene Schwarzdornbestände.

Normalerweise bedeutet das bei einer Bewegungsjagd: Hunde hinein, Treiber hinein – und versuchen herauszufinden, ob und wo Sauen stecken.

Mit der Wärmebilddrohne kommt eine weitere Möglichkeit hinzu: erst einmal nachsehen.

Im Video wird beispielsweise ein Bereich entlang einer Straße vor dem Einsatz der Hunde abgeflogen. Über die Wärmebildkamera wird tatsächlich eine Rotte Schwarzwild lokalisiert. Mit Normalbild und Zoom lässt sich anschließend genauer erkennen, um welche Wärmequelle es sich handelt. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Sauen nicht unmittelbar an der Straße liegen, wie zunächst vermutet worden war. Auf Grundlage dieser Information kann der Einsatz der Hunde entsprechend geplant werden. Und genau an dieser Stelle wurde das Video für mich aus Sicht der ökologischen Jagd besonders interessant.

Denn plötzlich lautet die Frage nicht mehr nur: Wie bekommen wir das Wild aus der Dickung?Sondern auch: Müssen wir diese Dickung überhaupt beunruhigen?
 

Bessere Information kann weniger Jagddruck bedeuten

Im Video ist auch sehr schön zu sehen, wie erfolgreich und effizient die neue Technik zum Einsatz kommen kann. Das Können der Schützen bleibt natürlich obligatorisch.

Dieser Gedanke passt unmittelbar zu einem Grundprinzip, das wir im ÖJV seit langem vertreten: Jagd soll effektiv sein, aber die damit verbundene Beunruhigung des Wildes möglichst gering bleiben. Dazu gehört insbesondere das Prinzip der Intervalljagd. Statt über lange Zeiträume permanent jagdlichen Druck aufzubauen, sollen notwendige Abschüsse möglichst konzentriert und effektiv innerhalb begrenzter Jagdintervalle erfüllt werden. Dazwischen erhält das Wild Ruhe. 

Übertragen auf Bewegungsjagden könnte moderne Drohnentechnik diesen Gedanken unterstützen. Wenn wir besser wissen, wo sich Schwarzwild tatsächlich aufhält, können Hunde, Treiber und Schützen gezielter eingesetzt werden. Bereiche, in denen sich kein relevantes Wild befindet, müssten möglicherweise gar nicht erst durchgedrückt werden.

Genau dafür liefert das Video ein bemerkenswertes Beispiel.

Nachdem eine große Schwarzdorndickung bereits durchgearbeitet wurde, bleibt die Frage, ob sich hinter den Treibern erneut Sauen versteckt haben. Statt die gesamte Fläche vorsorglich noch einmal mit Hunden und Treibern zu beunruhigen, steigt erneut die Wärmebilddrohne auf. Es werden keine weiteren Sauen festgestellt.
Die Konsequenz ist denkbar einfach: Die Dickung kann liegen gelassen werden und die Jagd wird an anderer Stelle fortgesetzt.

Das klingt zunächst banal. Tatsächlich könnte genau darin aber ein wesentlicher Vorteil dieser Technik liegen: Bessere Information kann weniger Jagddruck bedeuten.
 

Hunde gezielter einsetzen

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: der Schutz der eingesetzten Jagdhunde. Das Video zeigt eindrucksvoll, wie schwierig die Arbeit in mehreren hundert Metern nahezu undurchdringlichem Schwarzdorn sein kann. Die Hunde müssen Sauen finden, in Bewegung bringen und gegebenenfalls stellen. Gleichzeitig besteht bei Schwarzwild immer das Risiko einer Verletzung durch wehrhafte Stücke. Im Video wird deshalb wiederholt auf die Bedeutung von Hundeschutzwesten hingewiesen.

Natürlich ersetzt eine Drohne weder gute Jagdhunde noch erfahrene Hundeführer. Sie kann aber zusätzliche Informationen liefern: Ist überhaupt Schwarzwild in der Dickung? Wo befindet es sich ungefähr? Haben sich Sauen nach dem ersten Durchgang erneut gesteckt?

Wenn solche Informationen helfen, Hunde gezielter einzusetzen und unnötige Einsätze in leeren oder bereits durchgearbeiteten Dickungen zu vermeiden, ist das ebenfalls ein Beitrag zum Tierschutz.

 

Auch nach dem Schuss interessant

Besonders spannend ist noch eine weitere im Video angesprochene Möglichkeit. Nach einem Schuss kann sich krankes Wild in dichter Vegetation stecken und dort für Menschen kaum sichtbar sein. So könnte die Drohne deshalb auch als mögliche Unterstützung eingesetzt werden, um nach einem Treiben nach Wärmequellen zu suchen und festzustellen, ob sich dort möglicherweise ein verletztes Stück befindet.

Das ersetzt selbstverständlich keine fachgerechte Nachsuche mit einem dafür geeigneten Gespann. Aber wenn Technik dazu beitragen kann, verletztes Wild schneller zu lokalisieren und damit Leiden möglichst schnell zu beenden, sollte man diese Möglichkeit zumindest prüfen.
 

Mehr als Drückjagd: Wild zählen, beobachten und Schäden erkennen

Der mögliche Nutzen geht aber noch deutlich über die konkrete Bewegungsjagd hinaus. Gerade die Frage nach real nachweisbaren Wildbeständen ist mehr und mehr von zentraler Bedeutung. Wie viel Wild befindet sich tatsächlich in einem Gebiet? Wo liegen räumliche Schwerpunkte? Wie verändert sich die Nutzung von Lebensräumen? Drohnen können klassische Methoden des Wildmonitorings nicht einfach ersetzen. Sie eröffnen aber eine zusätzliche Perspektive. Flächen können systematisch abgeflogen, Wärmequellen erfasst und Beobachtungen dokumentiert werden. Das Unternehmen CopterPro bietet entsprechende Wildzählungen und Wildmonitorings bereits als Dienstleistung an.

Ähnliches gilt für Wildschäden. Gerade in hohen und blickdichten Feldkulturen ist vom Boden aus häufig kaum zu erkennen, wo Schwarzwild Schäden verursacht oder welche Bereiche besonders intensiv genutzt werden. Der Blick von oben kann helfen, sich schneller einen Überblick zu verschaffen und jagdliche Maßnahmen entsprechend anzupassen.

Damit wird die Drohne möglicherweise zu mehr als einem Hilfsmittel für einzelne Jagdsituationen. Sie kann ein Werkzeug des Wildmanagements sein. Kitzrettung, Wildzählung, Monitoring, Wildschadenerfassung, Unterstützung bei der Suche nach verletztem Wild und schließlich die gezieltere Vorbereitung und Durchführung von Bewegungsjagden folgen dabei im Grunde demselben Prinzip: Erst möglichst gute Informationen gewinnen – und auf dieser Grundlage handeln.
 

Technik ersetzt keine gute Jagd

Bei aller Begeisterung für die Möglichkeiten darf eines allerdings nicht vergessen werden: Die Drohne ist kein Allheilmittel. Auch Wärmebildtechnik hat Grenzen. Vegetation kann die Sicht erschweren, bewegtes Wild ist schwieriger zu lokalisieren als ruhendes und nicht jede Wärmequelle lässt sich zweifelsfrei ansprechen. Auch das wird im Video deutlich. Hinzu kommen selbstverständlich luftverkehrsrechtliche, jagdrechtliche sowie natur- und artenschutzrechtliche Vorgaben, die bei jedem Einsatz berücksichtigt werden müssen.

Vor allem aber ersetzt Technik keine gute Jagdplanung. Eine erfolgreiche Bewegungsjagd braucht weiterhin eine erfahrene Jagdleitung, geeignete Stände, sichere Schussfelder, gute Hunde, ortskundige Hundeführer sowie disziplinierte und treffsichere Schützinnen und Schützen. 

Eine Drohne kann aber eine zusätzliche Informationsebene schaffen. Und vielleicht liegt genau darin ihr größter Wert: Nicht mehr jagen – sondern besser wissen, wann, wo und wie gejagt werden muss.
 

Offen sein für neue Werkzeuge

Ökologische Jagd sollte technische Entwicklungen deshalb weder unkritisch begrüßen noch reflexartig ablehnen. Entscheidend sollte ihr tatsächlicher Nutzen für unsere jagdlichen Ziele sein. Hilft eine Technik dabei, Wildbestände besser einzuschätzen? Kann sie unnötige Störungen vermeiden? Können Hunde gezielter eingesetzt werden? Verbessert sie unsere Möglichkeiten beim Wildmonitoring? Hilft sie, Wildschäden frühzeitig zu erkennen? Und kann sie möglicherweise dazu beitragen, mit wenigen gut organisierten Jagdeinsätzen das Ziel zu erreichen?

Wenn moderne Technik dabei hilft, sollten wir sie uns anschauen, Erfahrungen sammeln und offen darüber diskutieren. Dieses Video hat bei mir jedenfalls genau diese Gedanken zur Diskussion angestoßen. Am Ende des dort gezeigten Jagdtages lagen 14 Stück Schwarzwild und zwei Stück Rehwild auf der Strecke. Schützen, Hundeführer und Hunde kamen gesund zum Streckenplatz zurück. Die spannendste Erkenntnis des Videos liegt für mich aber nicht in der Strecke, sondern in einem eigentlich sehr einfachen Gedanken:
Jagd bedeutet nicht, möglichst viel Unruhe im Wald zu erzeugen. Gute Jagd bedeutet, mit guter Vorbereitung, geeigneten Methoden und möglichst wenigen Eingriffen ein erfolgreiches Ergebnis zu erreichen.

Wenn moderne Drohnentechnik uns dabei helfen kann, sollten wir diese Möglichkeiten nutzen – und weiter darüber diskutieren, welchen Platz sie künftig in einer ökologischen und tierschutzgerechten Jagd einnehmen kann.
 

Das Video zum Beitrag

Wer sich selbst ein Bild vom Einsatz der Wärmebilddrohne bei dieser Drückjagd machen möchte, findet das beschriebene Video von CopterPro auf YouTube:

Weitere Informationen zu Drohnentechnik und den unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten dieses Anbieters: CopterPro
 
https://copterpro.de
 

Text: Christian Hommel
Bildmaterial: Fotos vom laufenden YouTube-Film, Christian Hommel