Drohnentechnik: 3.485 statt 1.963 Stück Rotwild – wenn moderne Technik den Wildbestand sichtbar macht

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Eine großflächige Rotwildzählung mit Wärmebilddrohnen in der Eifel zeigt, wie weit Ergebnisse unterschiedlicher Erfassungsmethoden auseinanderliegen können. Auf knapp 40.000 Hektar wurden 3.485 Stück Rotwild unmittelbar erfasst – gegenüber 1.963 Stück bei einer Scheinwerferzählung im Vorjahr. Für eine ökologische Jagd ist das Projekt vor allem aus einem Grund interessant: Es zeigt, welche Möglichkeiten moderne Technik bietet, Annahmen über Wildbestände durch überprüfbare Daten zu ergänzen.

Wie viel Wild steht eigentlich im Wald?
Eine einfache Frage – sollte man meinen. Schließlich werden auf Grundlage angenommener Wildbestände Abschusspläne aufgestellt, jagdliche Strategien entwickelt und nicht zuletzt Aussagen darüber getroffen, ob Wildbestand und Lebensraum miteinander im Einklang stehen.

Befliegungsfläche im Überblick: Die Karte zeigt die einzelnen Teilflächen des Untersuchungsgebiets sowie die systematisch angelegten Flugbahnen der Drohnen. Die engmaschige Befliegung ermöglicht eine flächendeckende und präzise Erfassung.

Doch wie genau kennen wir diese Bestände tatsächlich?
Ein außergewöhnliches Projekt in der Eifel liefert darauf eine bemerkenswerte Antwort. Im März 2026 ließen die Gemeinden Blankenheim, Dahlem, Nettersheim und Hellenthal eine knapp 40.000 Hektar große zusammenhängende Fläche mit Wärmebilddrohnen untersuchen. Zehn Piloten waren gleichzeitig unterwegs. Innerhalb von nur zwei Nächten wurde das Gebiet systematisch beflogen.

Das Ergebnis: 3.485 Stück Rotwild wurden unmittelbar erfasst.

Bemerkenswert wird diese Zahl durch den Vergleich mit einer anderen Erfassungsmethode: Bei einer Scheinwerferzählung im Jahr 2025 waren lediglich 1.963 Stück Rotwild festgestellt worden. Die Drohnen machten also rund 1.500 Tiere mehr sichtbar.Das entspricht einem Zählergebnis, das rund 77 Prozent über dem Ergebnis der vorausgegangenen Scheinwerferzählung liegt.

Ein Bestand – drei Zahlen

Dabei wäre es zu einfach, daraus die Geschichte „Die Jäger haben falsch gezählt“ zu machen. Denn die Verantwortlichen wussten bereits vorher, dass die bisherigen Methoden mit erheblichen Unsicherheiten verbunden waren.

Neben der Scheinwerferzählung gab es eine Rückrechnung anhand der erlegten Tiere. Diese hatte für 2024/25 einen rechnerischen Bestand von 5.220 Stück Rotwild ergeben. Der tatsächliche Bestand wurde deshalb zwischen den sehr unterschiedlichen Ergebnissen vermutet.

Damit standen drei bemerkenswerte Größen im Raum:

  • Scheinwerferzählung 2025: 1.963 Stück
  • unmittelbare Erfassung per Drohne: 3.485 Stück
  • rechnerischer Bestand aus Streckendaten: 5.220 Stück

Auf die mit der Drohne tatsächlich beobachteten 3.485 Tiere wurde anschließend ein Sicherheitsaufschlag von zehn Prozent für möglicherweise nicht erfasste Tiere gerechnet. Daraus ergibt sich ein angenommener Bestand von 3.834 Stück Rotwild.

Diese Unterscheidung ist wichtig: 3.834 Tiere wurden nicht tatsächlich aus der Luft gezählt. Die unmittelbar dokumentierte Zahl beträgt 3.485.

Der koordinierende Rotwild-Sachverständige Michael Lange zog aus dem Vergleich mit der bisherigen Scheinwerfermethode ein deutliches Fazit. Demnach seien damit teilweise nur etwa 30 bis 33 Prozent des tatsächlichen Wildbestandes erfasst worden. [1]


 

40.000 Hektar in zwei Nächten

Interessant ist deshalb ein Blick auf die Methode. Mit der technischen Durchführung wurde das auf professionelle Drohneneinsätze spezialisierte Unternehmen CopterPro beauftragt. Nach eigenen Angaben beschäftigt sich das Unternehmen bereits seit mehreren Jahren mit Wildzählungen und Wildtiermonitoring. Für das Eifelprojekt wurde die Gesamtfläche in einzelne Zählgebiete und diese wiederum in Teilflächen von ungefähr 1.000 bis 2.000 Hektar aufgeteilt. Die Piloten flogen ihre Bereiche parallel ab. Insgesamt waren etwa zehn Piloten gleichzeitig im Einsatz.

Die Dimensionen sind beachtlich. Bereits in der ersten Nacht wurden nach Angaben von CopterPro etwa 25.000 Hektar bearbeitet. Rund 16.000 Hektar davon konnten innerhalb von ungefähr fünf Stunden erfasst werden. Nach zwei Nächten war die gesamte Untersuchungsfläche abgeflogen. Dass möglichst große zusammenhängende Bereiche innerhalb kurzer Zeit erfasst wurden, war methodisch von Bedeutung. Rotwild bewegt sich – und ein Rudel, das zunächst im Gebiet eines Piloten steht, kann wenig später im angrenzenden Zählgebiet auftauchen. Genau hier wurde eine weitere Stärke des Systems genutzt.

GPS statt Strichliste

Die Piloten zählten nicht lediglich die Tiere, die auf ihren Monitoren erschienen. Jede relevante Beobachtung wurde mit einer GPS-Koordinate versehen. Diese Punkte wurden zwischen den beteiligten Piloten synchronisiert. Tauchte beispielsweise an der Grenze zweier Zählgebiete ein Rudel mit 50 oder 60 Tieren auf und wechselte anschließend in das Gebiet des nächsten Piloten, konnte anhand von Standort, Anzahl und Zusammensetzung nachvollzogen werden, ob dieses Rudel bereits erfasst worden war. Doppelzählungen konnten so gezielt identifiziert und aus der Auswertung herausgenommen werden.

Zusätzlich wurden Bilder und Videos gespeichert. Auch die Flugrouten selbst wurden dokumentiert. Dadurch ließ sich anschließend kontrollieren, ob die vorgesehenen Flächen tatsächlich vollständig beflogen worden waren. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einer bloßen Beobachtung: Die Erhebung wird räumlich dokumentiert und zumindest in Teilen nachträglich überprüfbar.

Wärmebild findet – Optik bestimmt

Rotwild aus zwei Perspektiven: Links zeigt die Wärmebildaufnahme die deutlichen Wärmesignaturen des Rudels aus der Luft, rechts ist das Rotwild in der optischen Aufnahme zu erkennen. Der direkte Vergleich zeigt, wie Wärmebildtechnik die Erfassung auch unter schwierigen Sichtbedingungen unterstützt.

Geflogen wurde nachts in etwa 100 bis 120 Metern Höhe. Auch dafür gab es gute Gründe. Im März ist der Laubaustrieb noch nicht erfolgt, die Temperaturen sind vergleichsweise niedrig und das Rotwild steht vielfach noch in größeren Verbänden. Nachts verbessert sich zusätzlich der thermische Kontrast zwischen Tier und Umgebung. Gleichzeitig ist das Rotwild aktiver und tritt häufiger aus geschlossenen Waldbeständen heraus.

Zum Einsatz kamen Drohnen mit Wärmebild-, Zoom- und Nachtsichtkamera sowie Scheinwerfer und Laserentfernungsmesser. Eine Wärmequelle konnte zunächst im Wärmebild entdeckt und anschließend mit optischen Systemen näher angesprochen werden.

Ein erheblicher Vorteil gegenüber einer Befliegung mit einem Flugzeug besteht darin, dass eine Drohne an einer Stelle verharren kann. Ist ein Tier teilweise durch Vegetation verdeckt, können Position und Kamerawinkel verändert werden. Erst anschließend wird die Beobachtung dokumentiert. CopterPro nennt genau diese Möglichkeit als einen entscheidenden Unterschied zu früher eingesetzten Verfahren. Bei der Eifeler Zählung wurde zudem erstmals eine von CopterPro entwickelte KI-basierte Tiererkennung unterstützend eingesetzt. Insbesondere bei größeren Rudeln sollte sie helfen, Tiere im Wärmebild zu erkennen und die Anzahl zu bestimmen. Die eigentliche Ansprache und Dokumentation erfolgte weiterhin durch die Piloten.

Nicht nur zählen, sondern ansprechen

Der Auftrag ging noch einen Schritt weiter. Soweit möglich, sollte auch die Zusammensetzung des Rotwildbestandes ermittelt werden. Veröffentlicht wurden schließlich 1.204 Hirsche, 2.073 Alttiere und 274 Schmaltiere. Für das Geschlechterverhältnis wurde daraus ein Verhältnis von ungefähr 1 : 2,2 angegeben – also ein deutlicher Überhang weiblicher Stücke. [2]

Gerade solche Daten sind für die Bestandsentwicklung von erheblicher Bedeutung. Die reine Zahl an Stücken sagt schließlich noch wenig darüber aus, welches Reproduktionspotenzial in einer Population steckt. Gleichzeitig gehört zur fachlichen Einordnung auch die Grenze des Verfahrens: Selbst mit hochauflösender Optik lässt sich nicht jedes Stück aus der Luft zweifelsfrei einer Altersklasse zuordnen. CopterPro weist in der eigenen Präsentation ausdrücklich auf diese Unsicherheiten hin. Die Technik liefert also nicht automatisch eine unfehlbare „Wahrheit“. Sie kann aber die Datengrundlage erheblich erweitern.

15,5 Stück Rotwild je 100 Hektar Wald

Beispiel eines Auswertungsberichts: Nach Abschluss der Befliegung werden alle Beobachtungen georeferenziert dokumentiert. Der Bericht enthält Fluggebiete, Koordinaten, Wildart, Stückzahl und weitere Einsatzdaten – und schafft so eine nachvollziehbare Grundlage für Bestandsaufnahme und weiteres Wildmanagement.

Für Wald und Jagd ist vor allem eine andere Zahl entscheidend. Das untersuchte Gebiet besteht ungefähr zur Hälfte aus Wald- und Freiflächen. Aus den Ergebnissen wurde eine Rotwilddichte von 15,5 Stück je 100 Hektar Waldfläche ermittelt. Bei der Vorstellung der Ergebnisse wurden dagegen etwa drei bis vier Stück je 100 Hektar als für den Lebensraum angemessene Größenordnung genannt. Andere Berichte nennen drei bis fünf Stück. Damit liegt der ermittelte Bestand jedenfalls um ein Mehrfaches über der von den beteiligten Fachleuten genannten Größenordnung. [1][2][3]

Die Folgen betreffen unmittelbar die Waldentwicklung: Verbiss und Schäle können Naturverjüngung beeinträchtigen, Baumarten aus der Verjüngung herausselektieren und Schutzmaßnahmen erforderlich machen. Gerade vor dem Hintergrund des notwendigen Waldumbaus nach Dürre, Borkenkäfer und anderen Kalamitäten bekommt die Frage nach angepassten Wildbeständen zusätzliche Bedeutung. Der Nettersheimer Forstbetriebsleiter Wolfgang Schmieder zieht daraus eine weitergehende Konsequenz: Ein Berufsjäger allein sei kein Allheilmittel. Er fordert vielmehr eine Verhaltensänderung bei Waldbesitzern und Jägerschaft. [2]

In Dahlem hat man bereits reagiert und einen Berufsjäger eingestellt. Dort hat sich die Rotwildstrecke über längere Zeit erheblich verändert: Im Jahr 2000 wurden laut Kölner Stadt-Anzeiger lediglich 17 Stück erlegt, inzwischen sind es 220. [2]

„Wald mit Wild“ – aber in waldverträglicher Dichte

Bemerkenswert ist die Wortwahl des Dahlemer Bürgermeisters Jan Lembach. Das Ziel sei nicht ein „Wald vor Wild“, sondern ein „Wald mit Wild“. [1]

Genau darin liegt eine zentrale Aufgabe moderner Jagd. Rotwild gehört selbstverständlich zu unseren heimischen Ökosystemen. Aber ebenso selbstverständlich gehört dazu die Erkenntnis, dass die Dichte großer Pflanzenfresser darüber mitentscheidet, wie sich ein Wald entwickeln kann. Zu hohe Schalenwildbestände bleiben nicht ohne Folgen. Durch den selektiven Verbiss werden bevorzugte Baum- und Straucharten immer wieder zurückgesetzt oder verschwinden langfristig aus der Verjüngung. Weniger verbissgefährdete Arten erhalten dadurch einen Konkurrenzvorteil. Auf diese Weise verändert hoher Wilddruck nicht nur die Zahl junger Bäume, sondern langfristig auch Artenzusammensetzung, Struktur und Entwicklung des Waldes.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen diesen Zusammenhang deutlich: Mit steigender Rotwilddichte nimmt die Wahrscheinlichkeit des Verbisses zu. Hoher Verbiss kann die Etablierung bevorzugter Baumarten verhindern, die Baumartenzusammensetzung verschieben und die Entwicklung struktur- und artenreicher Mischwälder erheblich erschweren. angzeituntersuchungen mit Weisergattern zeigen zudem, dass sich Wälder ohne entsprechenden Verbissdruck anders – und vielfach artenreicher – entwickeln als vergleichbare ungeschützte Flächen.

Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels gewinnt das zusätzlich an Bedeutung. Wo sich standortgerechte Baumarten nicht aus eigener Kraft verjüngen und dem Äser entwachsen können, wird der Aufbau klimaresilienter Mischwälder erschwert oder teilweise unmöglich. Neuere Untersuchungen kommen deshalb ausdrücklich zu dem Ergebnis, dass eine wirksame Begrenzung des Verbissdrucks und ein angepasstes Wildtiermanagement wesentliche Voraussetzungen für vielfältige und klimaresiliente Waldverjüngung sind.

Ein „Wald mit Wild“ bedeutet deshalb gerade nicht, jede vorhandene Wilddichte als gegeben hinzunehmen. Es bedeutet, Wildbestände in einer Größenordnung zu halten, bei der sich der Wald mit seiner standorttypischen Vielfalt ohne flächigen Schutz durch Zäune oder Einzelschutz natürlich verjüngen und entwickeln kann.

Was wissen wir eigentlich über unsere Wildbestände?

Vor diesem Hintergrund bekommt die Eifeler Drohnenzählung eine zusätzliche Bedeutung. Denn wenn die Höhe des Wildbestandes einen maßgeblichen Einfluss auf die Waldentwicklung hat, müssen wir möglichst genau wissen, von welchen Größenordnungen wir überhaupt sprechen.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis der Zählung steckt deshalb auch im Unterschied zwischen 1.963, 3.485 und 5.220 Stück Rotwild.

Die Scheinwerferzählung 2025 hatte 1.963 Tiere sichtbar gemacht. Die Wärmebilddrohnen erfassten 3.485 Stück unmittelbar. Eine vorherige rechnerische Rückrechnung aus Streckendaten war sogar auf 5.220 Stück gekommen. Diese Unterschiede sind keine akademische Nebensache. Wer Wildbestände regulieren will, braucht eine belastbare Vorstellung von deren tatsächlicher Größenordnung. Wird ein Bestand systematisch unterschätzt, können auch Abschussplanung und jagdliche Strategie hinter dem notwendigen Umfang zurückbleiben. Genau hier eröffnet die moderne Technik neue Möglichkeiten.

Wärmebilddrohnen können großräumige Wildbestände innerhalb kurzer Zeit erfassen, Beobachtungen georeferenzieren und die Erhebung durch Bilder, Videos und dokumentierte Flugrouten nachvollziehbar machen. Sie ermöglichen damit eine deutlich bessere empirische Grundlage für die jagdliche Planung als reine Annahmen oder punktuelle Beobachtungen.

Das heißt nicht, dass andere Instrumente überflüssig werden. Im Gegenteil: Wildzählung und Vegetationsbeobachtung beantworten zwei aufeinander aufbauende Fragen. Die Drohne kann zeigen, wie hoch der Wildbestand ist und wo sich das Wild aufhält. Verbissaufnahmen, Weisergatter und forstliche Inventuren zeigen, welche Folgen dieser Bestand für die Waldentwicklung bereits hat. Zusammen entsteht daraus eine belastbare Grundlage für modernes Wildmanagement: Bestand erfassen, Auswirkungen beobachten und die Jagd daran ausrichten. Gerade darin liegt aus Sicht einer ökologischen Jagd der Wert des Eifelprojekts. Nicht die Technik entscheidet über den richtigen Wildbestand. Aber sie hilft dabei, die tatsächliche Größenordnung sichtbar zu machen – und damit eine wesentliche Voraussetzung dafür zu schaffen, Wildbestände so anzupassen, dass Wald und Wild dauerhaft miteinander existieren können.

Moderne Jagd muss bereit sein, ihre Annahmen zu überprüfen

Moderne Technik im praktischen Einsatz: Die Drohne startet zur nächsten Befliegung. Ausgestattet mit hochauflösender Optik und Wärmebildtechnik ermöglicht sie eine systematische Erfassung des Wildbestandes auch in den frühen Morgen- und späten Abendstunden.

Das Eifelprojekt ist deshalb mehr als eine technische Spielerei. Fast 40.000 Hektar innerhalb von zwei Nächten systematisch zu erfassen, Beobachtungen georeferenziert zu dokumentieren, Flugwege nachvollziehbar zu speichern und dabei mehrere Piloten gleichzeitig miteinander zu vernetzen, wäre vor wenigen Jahren in dieser Form kaum vorstellbar gewesen. Heute ist es möglich.

Und möglicherweise liegt genau darin die wichtigste Botschaft für die Jagd: Moderne Technik kann nicht nur dabei helfen, Wild zu finden. Sie kann dazu beitragen, unser eigenes Bild vom Wildbestand zu überprüfen.

Das verlangt allerdings auch die Bereitschaft, Ergebnisse anzunehmen, wenn sie nicht zu den bisherigen Erwartungen passen. Die Verantwortlichen in der Eifel haben diesen Schritt getan. Vier Gemeinden haben gemeinsam Geld in die Hand genommen, ein großes zusammenhängendes Gebiet untersuchen lassen und damit erstmals eine gemeinsame Datengrundlage geschaffen. Die Kosten lagen nach Medienberichten im Bereich von mehreren Zehntausend Euro und wurden überwiegend von den beteiligten Kommunen getragen. [2]

Das Ergebnis ist unbequem: 
Der Rotwildbestand ist deutlich höher als die beteiligten Fachleute für waldverträglich halten.

Aber genau darin liegt der Wert einer solchen Untersuchung.

Gute Jagdplanung sollte nicht bestätigen, was wir ohnehin zu wissen glauben. Sie sollte uns möglichst zuverlässig zeigen, was tatsächlich draußen ist – und welche Wirkung es dort entfaltet.

Text: Christian Hommel
Fotos: CopterPro

 

 

Quellen

[1] WochenSpiegel, 16.04.2026: Im toten Winkel des Scheinwerfers. Bericht über Ergebnisse und Methodik der Drohnenzählung; 3.485 unmittelbar erfasste Stück Rotwild, Scheinwerferzählung 1.963 Stück, 10-%-Aufschlag auf 3.834 Stück sowie Aussagen von Michael Lange, Jan Lembach und weiteren Beteiligten.
https://www.wochenspiegellive.de/kreis-euskirchen/ressort/lokales/artikel/im-toten-winkel-des-scheinwerfers 

[2] Kölner Stadt-Anzeiger, 11.04.2026: Rotwildbestand in den Eifelwäldern ist viermal so hoch wie empfohlen. Angaben zu 15,5 Stück/100 ha, Zusammensetzung des Bestandes, Geschlechterverhältnis, früheren Zählverfahren, Rückrechnung von 5.220 Stück, waldbaulichen Konsequenzen und Kosten des Projektes.
https://www.ksta.de/region/euskirchen-eifel/kreis-euskirchen/rotwild-bestand-in-eifelwaeldern-viermal-so-hoch-wie-empfohlen-1261588 

[3] Radio Euskirchen, 14.04.2026: Viermal mehr Rotwild in Eifel-Wäldern als empfohlen. Angaben zu rund 3.500 erfassten Tieren, Untersuchungsfläche, Auftraggebern und Konsequenzen für die weitere Jagdplanung.
https://www.radioeuskirchen.de/artikel/viermal-mehr-rotwild-in-eifel-waeldern-als-empfohlen-2622647 

[4] CopterPro: Videodokumentationen und Fachvortrag zur Durchführung der Wildzählung. Grundlage für Angaben zu Planung, technischer Ausstattung, Nachtbefliegung, GPS-Dokumentation, Synchronisation zwischen den Piloten und Auswertung der Befliegung. 
https://www.youtube.com/watch?v=w_eKyElWNDA 

[5] CopterPro: Fachvideo zur Methodik von Wildzählungen mit Drohnen; technische Voraussetzungen, Wärmebild-/Normalbildansprache, GPS-Dokumentation, Flugrouten und Auswertung. 
https://youtu.be/2DHVWEfvEOg?si=i6Q0x3XlbpdMMYUa  

Wissenswertes bei „ScienceDirect“

Dichtebezogener Einfluss von Rotwild auf „schmackhafte und unschmackhafte“ Baumarten und Waldregenerationsdynamik
(Original in englisch) 
Wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass steigende Rotwilddichten mit zunehmendem Verbiss einhergehen und dass hoher Verbiss Baumarten selektiv zurückdrängt, Artenzusammensetzung verändert und Naturverjüngung sowie den Aufbau gemischter, klimaresilienter Wälder erheblich behindern kann. 

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378112721005314  

Bewertung der dynamischen Baumartenverschiebung und der Höhenentwicklung, die durch das Stöbern von Schalenwild bei der Waldregeneration unter Verwendung eines prozessbasierten Modellierungsansatzes verursacht wird 
(Original in englisch) 
Der Schalenwildbestand ist nicht der einzige Einflussfaktor, aber bei großen Pflanzenfressern eine wesentliche Stellgröße für Verbiss, Baumartenentmischung und Waldentwicklung. Genau das zeigen experimentelle Untersuchungen; selbst relativ kleine Änderungen des Verbissdrucks können langfristig zu Verschiebungen in der Baumartenzusammensetzung führen. 

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0304380024001297 
Übrigens auch besprochen in der ÖkoJagd-Ausgabe: Doppelausgabe 4-2024 und 1-2025