Blattzeit beim Rehwild: Zwischen effektiver Jagd und möglichst geringer Störung

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Mit dem Beginn der Blattzeit  – von Ende Juli bis Mitte August, je nach Region unterschiedlich – startet in Nordrhein-Westfalen eine besondere Phase des Jagdjahres. Für Jägerinnen und Jäger bietet diese Zeit die effektivste Möglichkeit, Rehböcke tierschutzgerecht zu bejagen. Gleichzeitig wirft die Bejagung während der Paarungszeit eine grundsätzliche Frage auf: Ist der hohe Jagderfolg den zusätzlichen Stress für das Wild wert, oder sollten notwendige Abschüsse möglichst in kürzeren Jagdintervallen zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen?

Während der Blattzeit reagieren Rehböcke verstärkt auf die Lockrufe paarungsbereiter Ricken. Sie verlassen häufiger ihre Einstände und lassen sich dadurch leichter beobachten und sicher ansprechen. Die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen und tierschutzgerechten Abschusses steigt.

Gleichzeitig ermöglicht diese Zeit intensive Beobachtungen des Rehwildes. Familienverbände werden sichtbar, Schmalrehe, Ricken und Kitze können sicher angesprochen und wichtige Erkenntnisse für das spätere Wildmanagement gewonnen werden.

Effizienz oder möglichst geringe Störung?

Die Blattzeit bringt jedoch auch Zielkonflikte mit sich. Die Paarungszeit gehört zu den sensibelsten Phasen im Jahresverlauf des Rehwildes. Jede Jagd bedeutet in dieser Zeit zusätzlichen Stress und stellt einen Eingriff in natürliche Verhaltensabläufe dar.

Vor diesem Hintergrund setzen manche Reviere bewusst auf eine intensive Blattjagd, um die Bejagung der Böcke effizient abzuschließen. Andere verzichten weitgehend darauf und bündeln notwendige Abschüsse ab dem 1. September, wenn neben den Böcken auch Schmalrehe, Ricken und Kitze bejagt werden dürfen. Ziel dieses Ansatzes sind möglichst kurze, konzentrierte Jagdintervalle mit anschließend längeren störungsfreien Ruhephasen.

Wildmanagement bedeutet Abwägung

Ökologische Jagd versteht sich als modernes Wildmanagement. Sie orientiert sich an den Anforderungen des Lebensraums, den Zielen des Natur- und Waldschutzes sowie den Grundsätzen des Tierschutzes.

Die Blattzeit bietet deshalb nicht nur jagdliche Chancen (aber eben lediglich nur auf männliche Rehe), sondern regt auch zu einer wichtigen fachlichen Diskussion an: Wie lässt sich notwendiges Wildmanagement so gestalten, dass sowohl ökologische Ziele als auch das Wohl des Wildes bestmöglich berücksichtigt werden?

Text: Christian Hommel
Foto:
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