Am 1. August beginnt die Waschbärjagd: Sie braucht ein Ziel – nicht nur eine Jagdzeit

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Mit dem 1. August beginnt in Nordrhein-Westfalen wieder die Jagdzeit auf den Waschbären. Für den Ökologischen Jagdverein Nordrhein-Westfalen (ÖJV.NRW) ist dies Anlass, mit einem weit verbreiteten Missverständnis aufzuräumen: Die Bejagung invasiver Arten ist nicht automatisch Naturschutz.

Der aus Nordamerika stammende Waschbär hat sich in Deutschland seit Jahrzehnten etabliert und sein Verbreitungsgebiet kontinuierlich ausgeweitet. Trotz einer ganzjährigen oder langen Jagdzeit in vielen Bundesländern konnte seine Ausbreitung durch die herkömmliche Jagd nicht verhindert werden. Das zeigt deutlich: Eine flächendeckende Regulierung der Populationen ist mit dem heutigen Jagdsystem kaum möglich.

Nicht überall – sondern dort, wo Artenschutz es erfordert

Für den ÖJV.NRW bedeutet Wildmanagement deshalb nicht, Waschbären möglichst überall intensiv zu bejagen.

Entscheidend ist vielmehr, vorhandene Ressourcen dort einzusetzen, wo sie einen nachweisbaren Beitrag zum Artenschutz leisten können.

In Nordrhein-Westfalen betrifft dies insbesondere Gebiete mit Vorkommen hochgradig gefährdeter Arten wie Gelbbauchunke, Knoblauchkröte, Geburtshelferkröte, Kreuzkröte, Schlingnatter, Kreuzotter oder Zauneidechse. Diese Arten kommen häufig nur noch in wenigen, isolierten Populationen vor. Dort kann der zusätzliche Prädationsdruck durch Waschbären den Erhalt der Bestände gefährden.

Eine intensive Bejagung sollte sich deshalb auf genau diese sensiblen Bereiche konzentrieren – nicht pauschal auf jedes Gewässer oder jeden Wald, sondern dort, wo konkrete Artenschutzziele verfolgt werden.

Professionelles Prädatorenmanagement statt Zufallsjagd

Zwischen einer herkömmlichen Raubwildbejagung und einem wirksamen Prädatorenmanagement besteht ein wesentlicher Unterschied.

Professionelles Prädatorenmanagement erfolgt räumlich begrenzt, mit hoher Intensität und klar definierten Naturschutzzielen. Es wird dort durchgeführt, wo besonders schutzbedürftige Arten vorkommen und wissenschaftliche Erkenntnisse erwarten lassen, dass eine konsequente Entnahme von Prädatoren den Bruterfolg oder das Überleben dieser Arten verbessert.

Erfolgreiche Beispiele aus Schutzgebieten zeigen, dass ein solches Vorgehen einen wichtigen Beitrag zum Erhalt stark gefährdeter Tierarten leisten kann. Voraussetzung sind jedoch eine konsequente Durchführung, geeignete Fang- und Jagdmethoden sowie eine kontinuierliche Betreuung der Maßnahmen.

Verantwortung für die biologische Vielfalt

Der ÖJV.NRW versteht die Bejagung invasiver Arten deshalb als gezieltes Instrument des Naturschutzes – nicht als Selbstzweck.

Wo Waschbären keine nachweisbaren Auswirkungen auf besonders schutzbedürftige Arten haben, ist eine flächendeckende Intensivierung der Jagd aus Sicht des Vereins nicht zielführend. Wo dagegen letzte Restpopulationen gefährdeter Amphibien, Reptilien oder bodenbrütender Vogelarten geschützt werden müssen, kann ein konsequentes Prädatorenmanagement ein wichtiger Bestandteil erfolgreicher Artenschutzkonzepte sein.

Ökologische Jagd bedeutet deshalb nicht, möglichst viele Prädatoren zu erlegen. Sie bedeutet, wissenschaftliche Erkenntnisse in praktisches Wildmanagement umzusetzen und dort zu handeln, wo Maßnahmen nachweislich einen ökologischen Nutzen entfalten.

Naturschutz braucht deshalb nicht mehr Jagd – sondern die richtige Jagd am richtigen Ort.

Text: Christian Hommel
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