22. Februar 2025
Mehrere forstliche und jagdliche Verbände in Nordrhein-Westfalen haben sich in einem gemeinsamen Schreiben an Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Silke Gorißen gewandt; sie kritisieren den neuen Erlass „Jagdliche Maßnahmen zur Unterstützung der Wiederbewaldung nach den Kalamitätsschäden“ vom 11. Dezember 2024, der die Möglichkeit zur frühzeitigen Bejagung von Rehwild einschränkt. Die Verbände fordern, die bisherige Regelung beizubehalten und die Bejagung bereits im April zu ermöglichen.
Bislang war es möglich, durch Allgemeinverfügungen die Schonzeit für Schmalrehe und Rehböcke bereits im April aufzuheben. Dies soll laut dem neuen Erlass künftig nur noch in bestimmten Hauptschadensgebieten erlaubt sein, während viele Regionen – insbesondere im Tiefland – nicht mehr berücksichtigt werden. „Die Waldkrise betrifft ganz NRW“, betont Lucas Freiherr von Fürstenberg, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) NRW. „Die Wiederbewaldung darf nicht durch bürokratische Hürden verzögert werden.“
Die Verbände kritisieren zudem, dass viele Revierinhaber nun gezwungen seien, Einzelanträge auf Schonzeitaufhebung zu stellen, was die unteren Jagdbehörden stark belaste und Verzögerungen verursache. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass übermäßiger Wildverbiss die natürliche Verjüngung erheblich behindert und damit den Umbau zu klimastabilen Mischwäldern gefährdet.
„Gerade in den Tieflandgebieten beginnt die Vegetation durch den Klimawandel immer früher, wodurch die Jagd auf Rehwild ab Ende April zunehmend erschwert wird“, erklärt Dr. Eberhard Piest, Vorsitzender von PEFC NRW. Eine frühzeitige Bejagung im April sei daher unerlässlich, um den Wildbestand rechtzeitig zu regulieren.
Die Verbände fordern die Ministerin auf, den Erlass zu überarbeiten und die bisherigen Regelungen zur Aufhebung der Schonzeit im April beizubehalten. „Die Zeit drängt – wir brauchen dringend eine verlässliche und landesweit einheitliche Lösung“, heißt es in dem Schreiben. Die Unterzeichner bieten der Ministerin ein Gespräch an, um eine gemeinsame Lösung zu finden.
Zu den Unterzeichnern gehören Vertreter der ANW NRW, des Ökologischen Jagdverbands (ÖJV) NRW, des PEFC NRW, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) NRW, des Bundes Deutscher Forstleute (BDF) NRW sowie des Forstvereins NRW.
Brief an Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Silke Gorißen